Tabuthema Inkontinenz?

Experten-Interview mit Ing. Bettina Lindenthaler

Fast jede dritte Frau leidet unter einer Beckenbodenschwäche. Dennoch wird über dieses Thema nach wie vor nicht gerne gesprochen. Frau Ing. Bettina Lindenthaler, Produktmanagerin Inkontinenz und Pflege der Firma Georg Egger Heilbehelfe, gibt Auskunft über Vorbeugungsmaßnahmen, Hilfsmittel bei Inkontinenz und Umgang mit Betroffenen.

Was versteht man unter Inkontinenz genau?
Inkontinenz nennt man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, den Blasen- und/oder Darminhalt sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo er entleert werden soll. Unwillkürlicher Urinverlust oder Stuhlabgang sind die Folgen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?
Weltweit sind laut offiziellen Angaben etwa 200 Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Stuhlinkontinenz ist im Vergleich weniger verbreitet, doch sind etwa 4 Prozent der Menschen stuhlinkontinent. Harninkontinenz ist die verbreitetste chronische Krankheit unter Frauen. Unter jüngeren Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sind etwa 10 Prozent inkontinent. Frauen im mittleren Alter, also 40- bis 50-Jährige, sind mit rund 25 Prozent schon häufiger betroffen. Die größte Gruppe unter den Betroffenen sind Frauen ab 80. Hier sind sogar 40 Prozent inkontinent.

Wie kann man Inkontinenz am besten vorbeugen?
Eine gezielte Vorbeugung ist nicht in allen Fällen möglich, jedoch gibt es Maßnahmen, die das Risiko senken und bereits bestehende Beschwerden erheblich reduzieren: eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Ballaststoffe sowie Flüssigkeitszufuhr und viel Bewegung. Übergewicht vermeiden. Gezieltes Beckenbodentraining – am besten mit spezialisierten Physiotherapeuten – ist ebenso ratsam.

Welche Hilfsmittel gibt es, wenn man bereits darunter leidet?
Besteht bereits eine Harninkontinenz, gibt es zu den therapeutischen Maßnahmen Hilfsmittel, welche die Inkontinenz nicht beheben, jedoch den Umgang für die Betroffenen deutlich erleichtern. Es werden 3 Gruppen der Inkontinenzhilfsmittel unterschieden:

Aufsaugende Hilfsmittel wie z. B. Einlagen bei leichter bis schwerer Harninkontinenz in verschiedenen Saugstärken; Inkontinenzpants bei Harn- und Stuhlinkontinenz; Pull-ups oder Panties, quasi eine Unterhose mit integrierter Einlage.

Nicht invasive ableitende Hilfsmittel wie das Kondom-Urinal, auch externer Katheter genannt. Dieses bietet eine diskrete Alternative zu den aufsaugenden Hilfsmitteln für den Mann. Kondom-Urinale gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Größen. Sie sind meist selbsthaftend oder werden mit Haftstreifen oder Hautkleber fixiert. Zu den invasiven ableitenden Hilfsmitteln zählen Einmal- oder Verweilkatheter.

Mechanische Hilfsmittel wie Pessare sind Hilfsmittel für die Frau, sie stützen den Uterus und heben ihn leicht an. Sie lindern die Symptome der Stressinkontinenz. Dann gibt es noch Vaginaltampons. Diese sind größer als Menstruationstampons und bieten einen Schutz bei leichter Inkontinenz, indem sie den Durchmesser der neben der Vagina befindlichen Harnröhre durch Zudrücken verringern.

Was empfehlen Sie Personen, die Verwandte mit Inkontinenz pflegen müssen?
Wichtig ist, die Ursache der Inkontinenz ärzltich abzuklären und je nach Ursache und Therapie das richtige Hilfsmittel auszuwählen. Wenn möglich sollten die Rahmenbedingungen zuhause so beschaffen sein, dass der Gang zur Toilette erleichtert wird. Das heißt, dass das Zimmer nicht zu weit weg ist, man eventuell eine Harnflasche in Rechweite hat oder einen Toilettenstuhl im Zimmer unterbringen kann. Als Zusatztipp kann ich auch das Buch "Wenn der Blase und Dame nicht mehr halt, was sie versprechen", von Gisele Schön und Marco Seitenreich empfehlen.

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